Rheiderland

Zwischen Ems und Dollart befindet sich das Rheiderland, das sich zwischen Deutschland und den Niederlanden erstreckt. Der deutsche Teil des Rheiderlandes liegt in Ostfriesland, westlich der Ems. Der niederländische Teil liegt in der Provinz Groningen. Häufig wird dieser dem Oldambt zugerechnet.

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Das grenzüberschreitende Rheiderland im Nordwesten Deutschlands
bzw. Nordosten der Niederlande 

Neben dem Moormerland, dem Overledingerland und dem Lengenerland ist das Rheiderland auf dem Festland eine der vier historischen Landschaften des Landkreises Leer.
 

Die Natur

Das Rheiderland besteht größtenteils aus Marschlandschaften (Polder) und ist ebenso flach wie der übrige Teil Ostfrieslands. Durch die geringe Baumbepflanzung ergibt sich ein Blick, der bis zum Horizont reicht. 

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Entlang der Ems zieht sich die historische Flussmarsch, die bis zu 1,50 Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Auf den feuchten bis nassen Wiesen brüten noch zahlreiche Wiesenvögel wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Rotschenkel. Im Winter suchen hier bis zu 120.000 Wildgänse (vor allen Dingen Blessgans, Nonnengans und Graugans) nach Nahrung. Auch für Goldregenpfeifer, Regenbrachvogel, Großer Brachvogel und Kiebitz stellt der Grünlandbereich des Rheiderlandes einen Zwischenrastplatz von international herausragender Bedeutung dar. Aufgrund dieser Bedeutung für den Vogelzug wurde das Gebiet 2000 als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

Der nordwestliche Teil des Rheiderlandes wurde durch mehrere Eindeichungen vom Dollart zurück gewonnen. Der Marschboden ist ebenfalls sehr fruchtbar, aber aufgrund seiner Entstehungsgeschichte höher gelegen und daher ackerfähig. Die Bauern waren früher wohlhabend (Polderfürsten), was sich bis heute in den prächtigen Gulfhöfen widerspiegelt. Im Süden des Rheiderlandes gab es auch Moorflächen, die Ausläufer des Bourtanger Moores waren. Bis auf ein kleines Restmoorgebiet bei Wymeer sind die Moore heute zerstört

  

Religion

Im Rheiderland ist die evangelisch-reformierte Kirche vorherrschend. Etwa 70% der Bevölkerung gehören auf deutscher Seite noch heute dazu. Bedeutendste und weithin sichtbare kirchliche Monumente dieser Konfession im Rheiderland sind die Kirchen zu Bunde,Ditzum und Jemgum.

Während die Kirche zu Bunde das größte Monument im Rheiderland ist, erinnert einen die Bauweise der Glockentürme in Ditzum und Jemgum an Leuchttürme.

In einigen Orten gibt es auch evangelisch-lutherische Kirchengemeinden. Minderheiten sind altreformierte und freikirchliche Gemeinden, eine einzelne katholische Gemeinde gibt es in Weener. Bekannt ist die Region in diesem Zusammenhang auch durch ihre große Anzahl bedeutender Kirchenorgeln, die die Kirchen vor Jahrhunderten haben bauen lassen und die bis heute erhalten sind.

Die bedeutendste ist die Arp-Schnitger-Orgel in der St.-Georgskirche in Weener.

An niederländischer Seite hat sich die Abwendung von der Kirche viel weiter durchgesetzt. Nur noch eine Minderheit gehört zu einer der reformierten Kirchen. Es gibt Gemeinden der Protestantischen Kirche in den Niederlanden in Finsterwolde und Nieuweschans.

 

Kirchen 

Vorherrschend ist im Rheiderland die evangelisch-reformierte Kirche. Bedeutendste und weithin sichtbare kirchliche Monumente dieser Konfession im Rheiderland sind die Kirchen zu Bunde, Ditzum und Jemgum. Während die Kirche zu Bunde das größte Bauwerk im Rheiderland ist, sind die Glockentürme in Ditzum und Jemgum in einer Bauweise gehalten, die Leuchttürmen ähneln. Minderheiten sind altreformierte und freikirchliche Gemeinden, eine einzelne katholische Gemeinde gibt es in Weener. 

Evangelisch reformierte Kirche Ditzum 

Die Kirche des Emsdorfes Ditzum - nahe der Dollartmündung - stammt aus der Zeit von 1180 bis 1220. Auf einer Warft in der Südhälfte des Dorfes errichtet, war sie Zufluchtsort in stürmischen Zeiten. Bewundernswert sind die alten Grabplatten, die in der Kirche angeordnet sind; manche sind älter als die Kirche. Bekannt ist die betende Frau rechts unterhalb der Kanzel. 

Der hohe schlanke Glockenturm wurde im Jahre 1948 von dem ortsansässigen “Torentje-Bauer” Marten B. Schmidt errichtet und ist einem Leuchtturm nachempfunden. 

Evangelisch-lutherische Kirche Pogum 

Die Kirche in Pogum liegt am Ende der Welt. “Endje van de Welt”, der Ort an der Nordspitze des Rheiderlandes, weil hier früher die Straße von Leer/Jemgum über Ditzum schließlich in Pogum am Dollart endete. 

Katholische Kirche St. Michael Leer 

Mit der Stationierung der Salvegarde (kaiserliche Schutztruppe) in Leer im Jahre 1678 zur Unterstützung der Durchführung kaiserlicher Verordnungen in Ostfriesland, erhielt die Bildung der katholischen Gemeinde in Leer großen Auftrieb.

 

Kultur und Sprache

Im Rheiderland ist die Niederdeutsche Sprache im Alltagsgebrauch noch weit verbreitet. Die meisten Menschen im deutschen Teil des Rheiderlandes sprechen im alltäglichen Leben Ostfriesisches Platt (oder einen Unterdialekt, das Rheiderländer Platt). Im niederländischen Teil wird neben der niederländischen Sprache auch ein Dialekt des Groninger Platt gesprochen, das dem ostfriesischen Platt recht ähnlich ist. Bis ins 19. Jahrhundert war im Rheiderland das Niederländische die dominierende Kirchensprache und hat viele Spuren im örtlichen niederdeutschen Dialekt hinterlassen. Die enge kulturelle und sprachliche Verbindung mit der niederländischen Seite bildete den Vorwand da- für, dass die Niederlande das Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg €- allerdings erfolglos - für sich beanspruchte.

 

Politik

Der größte Ort ist die Stadt Weener. Verwaltungstechnisch ist das Rheiderland auf deutscher Seite in die Gemeinden Weener, Bunde und Jemgum sowie den Ortsteil Bingum der Stadt Leer aufgeteilt. Auf niederländischer Seite gehören die Gemeinde Rheiderland, der nördliche Teil der Gemeinde Bellingwedde, der östliche Teil der Gemeinde Scheemda sowie die Gemeinde Winschoten zum Rheiderland. Trotz der fast nicht vorhandenen Industrie und der niedrigen Bevölkerungsdichte ist das Rheiderland eine Hochburg der Sozialdemokratie. 

 

Wappen 

Das Rheiderländer Wappen zeigt auf einem längs geteilten Schild links einen halben schwarzen Adler auf goldenem Grund, rechts eine goldene Lilie auf blauem Grund. Das Wappen geht auf ein mittelalterliches Siegel zurück. Der Adler findet sich in vielen friesischen Wappen und steht für die Reichsunmittelbarkeit und damit dieFreiheitsrechte der Friesen. Die Lilie ist ein vorreformatorisches Symbol der Reinheit und steht für Maria, die Schutzpatronin der Friesen. Das Wappen wurde vom ehemaligen Kreis Weener geführt. 

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Geschichte

Das Rheiderland wurde bereits früh von den Friesen besiedelt. Nachdem im 13. Jahrhundert die auswärtigen Machthaber aus Friesland vertrieben waren, bildete das Rheiderland wie die anderen friesischen Gebiete ein eigenständiges reichsunmittelbares Territorium mit einer Ratsverfassung. Feudalherrschaft war in diesen Landesgemeinden unbekannt. Hauptorte waren wohl Weener und Hatzum.

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Karte des Rheiderlands um 1277 mit den an den Dollart verlorenen Ortschaften (nach Ubbo Emmius)

Zunächst war das Rheiderland eher in Richtung der Groninger Ommelande orientiert. Erst seit dem Einbruch des Dollarts (ab 1362), der große Gebiete des Rheiderlandes unter Wasser setzte und eine natürliche Grenze zu den Ommelanden bildete, wandte sich die Landesgemeinde stärker den friesischen Gebieten östlich der Ems zu. Durch Einpolderungen wurden bis ins 20. Jahrhundert viele an das Meer verlorene Gebiete zurück gewonnen.

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Ab 1413 fiel das Gebiet unter die Herrschaft der Häuptlingsfamilie Tom Brok und in der Folge zunächst an Focko Ukena und dann die Familie Cirksena. Nur für eine kurze Zeit konnte sich die Landesgemeinde noch einmal selbstständig machen. Der heute deutsche Teil des Rheiderlandes wurde somit Teil der Grafschaft Ostfriesland und teilte von da an deren Schicksal.

Formell war das Rheiderland bis 1600 ein eigenes Land unter der Herrschaft der ostfriesischen Grafen, wurde dann aber endgültig Ostfriesland angegliedert. 1806 wurde das Rheiderland dem Departement von Groningen (Departement  Ems-Occidentale) im Königreich Holland, später Teil des Kaiserreiches Frankreich zugeschlagen und damit von Ostfriesland getrennt (das restliche Ostfriesland wurde zum Departement Ems-Orientale). Nach dem Sturz von Napoleon wurde das Rheiderland wieder mit dem übrigen Ostfriesland vereint und gehörte seit 1814 zum Königreich Hannover, wo es der Landdrostei Aurich zugeordnet wurde. Das Gebiet des Rheiderlands war in die beiden Ämter Jemgum und Weener gegliedert, die 1859 zu einem Amt Weener vereinigt wurden.

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Karte des Rheiderlands um 1600 (nach Ubbo Emmius) 

1867 wurde das Königreich Hannover von Preußen annektiert und zur Provinz Hannover umgestaltet. Im Rahmen der Einführung einer neuen Kreisordnung für die Provinz wurde am 1. April 1885 aus dem Amt Weener der Kreis Weener gebildet. Das Rheiderland bildete damit einen eigenständigen preußischen Landkreis. Durch eine Verordnung des preußischen Staatsministeriums wurde 1932 der Kreis Weener aufgrund seiner vergleichsweise geringen Größe aufgelöst und mit dem Landkreis Leer zusammengeschlossen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhoben die Niederlande Anspruch auf das ganze Rheiderland; jedoch wurden diese Ansprüche von den Siegermächten abgewiesen.

Holländisch war auf der deutschen Seite des Rheiderlandes tatsächlich noch nicht lange durch das Deutsche als Hochsprache ersetzt worden und wurde nach wie vor von einem Großteil der Bevölkerung verstanden und aktiv gesprochen. Der einzige rechtlich formelle Grund für die niederländische Territorialforderung war allerdings, dass das Rheiderland 1806 bis 1813 von Ostfriesland abgespalten war als Teil des französischen Königreichs Holland bzw. der französisch-holländischen Departements. Die Siegermächte hatten jedoch kein Interesse an einer territorialen Neugliederung Deutschlands in den westlichen Grenzgebieten, und die Niederländischen Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg zerschlugen sich.

 

Der Altkreis Weener heute
 

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